Langer Tag der Stadtnatur 2024 bei uns auf dem Naturerlebnispfad Alraune

Wir bieten am Langen Tag der Stadtnatur 2024 drei Veranstaltungen an: „Leben im und am Wasser“, „Die Arbeit eines Imkers“ und „Wer checkt ein im Insektenhotel“. Bevor wir zu den Details kommen, erst einmal das wichtigste. Eine Anmeldung ist dringend erforderlich bei der Loki Schmidt Stiftung unter Telefon: 040/ 284 099 844 ab dem 27.5.24 täglich von 10 Uhr bis 15 Uhr bis zum 14.6.24 von 10 Uhr bis 12 Uhr. Oder online unter stadtnatur@loki-schmidt-stiftung.de, da geht es auch noch am 15.6.24

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Sa, 15.06.2024, 10:00–12:00 Uhr

Leben im und am Wasser

Mit Kescher und Becherlupe wird geforscht

Auf und am Gelände des Naturerlebnispfades gibt es mehrere z. T. künstlich angelegte Gewässer. Mit Kescher und Becherlupe erforschst du das Leben in den stehenden Gewässern und wirst sicher fündig. Mit den zur Verfügung gestellten Materialien kannst Du selbst bestimmen, welcher Schatz Dir da ins Netz gegangen ist.

Veranstalter*in: Alraune gGmbH Ausbildungszentrum Garten- und Landschaftsbau Naturerlebnispfad

Altersempfehlung: 6–12

Ausrüstung empfohlen: Festes Schuhwerk, Wechselkleidung, Mücken- und Zeckenschutz, Gummistiefel

Kosten für Erwachsene: kostenlos

Kosten für Kinder: € 10

Anmeldung erforderlich!

  (Anmeldelink ab 27. Mai!)

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Sa, 15.06.2024, 10:00–12:00 Uhr

Wer checkt ein im Insektenhotel?

Häufig wird vom Bienensterben gesprochen. Gemeint sind die Wildbienen. Hier kannst Du selbst aktiv etwas dagegen tun. Baue ein kleines Insektenhotel. Wir zeigen Dir, worauf Du achten musst, damit es erfolgreich besiedelt wird. Anschließend stellst Du Samenkugeln für Wildbienen und andere Insekten her. Beides kannst Du anschließend mitnehmen und in Deinem Stadtteil zum Einsatz bringen.

Veranstalter*in: Alraune gGmbH Ausbildungszentrum Garten- und Landschaftsbau Naturerlebnispfad

Treffpunkt: Naturerlebnispfad Alraune, Fabriciusstraße 225-231, 22177 Hamburg

Anfahrt: Bus 118 bis ‚Hallenbad Bramfeld‘

Leitung: Monika Kniep

Altersempfehlung: 6–12

Ausrüstung empfohlen: Festes Schuhwerk

Kosten für begleitende Erwachsene: keine (wir freuen uns über eine kleine Spende)

Kosten für Kinder: € 15

Anmeldung erforderlich!

  (Anmeldelink ab 27. Mai!)

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Sa, 15.06.2024, 10:00 – 12:00 Uhr

Die Arbeit eines Imkers

Auf dem Gelände des Naturerlebnispfades gibt es eine kleine Imkerei. Kinder können selbst in einen Imkeranzug steigen und mit der Imkerin hier vor Ort in ein Bienenvolk schauen. Sie lernen die einzelnen Bienenwesen und ihre Funktion im Bienenstock kennen. Natürlich darf auch Honig genascht werden.

Mit der Stichschutzkleidung (Imkeranzug) ist die Wahrscheinlichkeit eines Bienenstiches sehr gering. Dennoch kann es nicht ganz ausgeschlossen werden. Mit der Anmeldung erklären Sie, dass bei Ihrem Kind keine Bienengiftallergie bekannt ist.

Treffpunkt: Naturerlebnispfad Alraune, Fabriciusstraße 225-231, 22177 Hamburg

Anfahrt: Bus 118 bis ›Hallenbad Bramfeld‹

Altersempfehlung: 5–12

Ausrüstung empfohlen: Festes Schuhwerk

Kosten für begleitende Erwachsene: keine (wir freuen uns über eine kleine Spende)

Kosten für Kinder: € 15

Anmeldung erforderlich!

  (Anmeldelink ab 27. Mai!)

Zum Schluss noch einmal das Wichtigste: Eine Anmeldung ist dringend erforderlich bei der Loki Schmidt Stiftung unter Telefon: 040/ 284 099 844 ab dem 27.5.24 täglich von 10 Uhr bis 15 Uhr bis zum 14.6.23 von 10 Uhr bis 12 Uhr. Oder online unter stadtnatur@loki-schmidt-stiftung.de, da geht es auch noch am 15.6.24

Der unsichtbare Dieb

So, da bin ich wieder, „Weiser Weißbart“ mit einer neuen Geschichte für euch. Ich wollte mich gerade zu einem Mittagsschläfchen hinlegen, als ein helles Glöckchen ertönte. Es war überall in unserer Siedlung zu hören. Diese Musik kündigte die Ankunft der „Reisenden“ an, eines ganz besonderen Clans des „Kleinen Volkes“. Sie reisen auf den kurzen Wegen um die ganze Welt, immer dem Sommer nach.

Die kurzen Wege sind eigentlich Tore, durch die wir mit unserer Begabung von einem Ort ganz schnell zu einem anderen reisen können. Die „Reisenden“ sind sehr braungebrannt, da sie immer der Sonne nach reisen, die meisten von ihnen schlank, zumindest solange sie jung sind. Je älter sie sind, desto dicker werden auch ihre Bäuche. Sie betrachten das als schön und Zeichen von Wohlstand.

Da sie um die ganze Welt reisen, ist ihr Besuch eine große Sache. Sie bringen uns Dinge aus Gegenden, in die wir nie kommen. Dazu neue, fremdartige und spannende Geschichten, exotische Musik, Speisen und Getränke. So ungefähr alle 24 Monde besuchen sie unsere Siedlung, wenn die Musik ertönt, sind sie gerade durch das Tor gekommen. Jetzt dauert es noch so um die zwei Stunden, bis sie bei uns eintreffen.

Überall brach hektisches Treiben aus. Jeder suchte Dinge, die er bei den Reisenden gegen ihre Mitbringsel eintauschen wollte. Außerdem wurde gekocht, gebacken und Getränke abgefüllt, denn dieses Ereignis wurde mit einem großen Fest gefeiert, das meistens bis zum frühen Morgen dauerte. Tische und Bänke wurden aufgestellt, ein freier Platz zum Tanzen vorbereitet und eine Bühne aufgebaut.

Wir waren noch mitten in den Vorbereitungen, als die Reisenden mit ihren bunt bemalten Wagen eintrafen. Gezogen wurden sie von Borstengürteltieren, die zwar nicht sehr schnell aber stark und ausdauernd waren. Es gab ein lautes Hallo, viele Umarmungen und Küsschen zur Begrüßung. Am meisten Aufsehen erregte „Naseweis“, der früher einmal bei uns gewohnt hatte. Er gehörte zum Clan „Die auf Fröschen und Molchen reiten“, jetzt aber ritt er auf einem Tier wie es keiner von uns jemals zuvor gesehen hatte. Es war dreimal so lang wie wir groß, hatte riesige Augen, lange Beine und war leuchtend grün. „Das ist ein Namaqua-Chamäleon“, erklärte „Naseweis“ stolz. „Es kommt aus einem sehr weit entferntem Land.“

Die mutigsten von uns berührten sein Reittier behutsam, die Haut war ledrig aber auch sehr weich. Das Chamäleon schien die Streicheleinheiten zu genießen. „Es ist nicht sehr schnell aber sehr angenehm zu reiten“, ergänzte „Naseweis“. „Fast wie ein tiefes in sich gehen.“ „Schönbein“ und „Glanzhaar“ drängelten sich zu ihm durch. „Dürfen wir es auch mal reiten?“, baten sie ihn mit einem Augenaufschlag. „Aber gerne, wenn „Langzunge“ nichts dagegen hat.“ Er hatte nicht und die beiden kletterten mit leuchtenden Augen auf seinen Rücken. Lange dauerte das Vergnügen aber nicht, denn trotz aller Exotik war er den beiden zu langweilig.

Dann begann das große Tauschgeschäft. Überall wurde gefeilscht und verhandelt, mit großen Gesten aber auch viel Gelächter. Ich erstand für eine meiner selbstgeschnitzten Pfeifen ein Flöten ähnliches Musikinstrument aus dem Land des Chamäleons, „Bienentänzer“ tauschte seinen Honig gegen eine exotische Frucht, die Cherimoya hieß. Sie war so groß wie er und ihr gelbes Fruchtfleisch schmeckte sehr frisch und süß.

Nachdem viele Waren ihren Besitzer gewechselt hatten, wurde es Zeit für das Festessen. Die Tische bogen sich unter der Last der süßen und salzigen Speisen, auch viele verschiedene Getränke standen bereit. „Die Reisenden“ und wir saßen bunt gemischt auf den Bänken und ließen uns die vielen Köstlichkeiten schmecken. Auch die Borstengürteltiere wurden mit vielen Leckereien bedacht.

Plötzlich wurde es mir gegenüber laut. „Glanzhaar“ stritt sich mit einem der „Reisenden“. „Du hast den ganzen Kuchen alleine gegessen, das ist nicht sehr nett von dir!“ „“Wie soll ich das denn gemacht haben, der war doch viel zu groß?“, war die Antwort. „Weiß ich doch nicht, aber eben war er noch da und jetzt ist der ganze Teller leer!“

Auch an anderen Tischen entbrannten Streitereien, weil überall große Portionen süßer Speisen plötzlich verschwanden. Die fröhliche Stimmung kippte so langsam, statt Gelächter gab es immer mehr Gezänk. Ich stand auf und stellte mich etwas abseits hin, um aus einiger Entfernung alles zu beobachten. Aber ich konnte nichts entdecken, außer das eben noch volle Teller und Schalen mit Süßspeisen plötzlich leer waren. Das merkwürdige daran war, keiner von uns konnte solche Portionen so schnell verdrücken.

Gab es hier etwa einen unsichtbaren Dieb? „Ich glaube ich habe eine Idee, was hier vorgeht.“ Flechthaar stand plötzlich neben mir. „Schau mal nur auf das Chamäleon.“ Ich konnte das Chamäleon nicht entdecken. „Wo ist es denn?“, wollte ich wissen. „Da vor der großen Buche“, sagte „Flechthaar“ grinsend. Ich kniff die Augen zusammen. Tatsächlich! Aus dem Baum heraus schnellte eine lange Zunge, griff sich einen halben Kuchen und verschwand wieder im Baum. „Wie ist das möglich?“, wollte ich wissen. „Das Chamäleon kann seine Hautfarbe an seine Umgebung anpassen, deswegen sieht es jetzt aus wie die Rinde der Buche. Das hat mir „Naseweis“ erzählt.“

Wir machten uns auf den Weg zu dem „Reisenden“. „Magst du dein Reittier etwas weiter weg führen, wir bringen ihm auch genug zu essen“, bat ich ihn. „Sonst artet der Streit hier noch aus.“ „Aber sicher“, antwortete der „Naseweis“ etwas zerknirscht. „Es tut mir echt leid, eigentlich fressen seine Artgenossen Insekten und kleine Reptilien, aber „Langzunge“ isst am liebsten alles was süß ist.“

Nachdem wir für das Chamäleon abseits des Festes einen Platz gefunden hatten, entspannte sich die Stimmung wieder. Auch „Langzunge“ war zufrieden, denn vor ihm stand eine Riesenschale mit süßen Leckereien. Bald danach spielten die Musiker zum Tanz auf, und wir feierten zusammen bis zum Sonnenaufgang. So, das war’s für dieses Mal, bis bald mit einer neuen Geschichte.

Text: Michael Dodt, Illustration Manuela Tolksdorf

Erste Frühlingsboten – Die Gehörnten Mauerbienen

Kommen die ersten warmen Frühlingstage dann schwärmen sie aus – die Gehörnten Mauerbienen. Sie gehören zu den Wildbienen und ernähren sich von den Pollen und dem Nektar der ersten Frühblüher und sammeln fleißig Vorräte, um später damit ihre Brut zu ernähren. Dabei sind sie nicht wählerisch und nutzen alle Pflanzen, die gerade blühen.

Sie sammeln die Pollen und den Nektar mit Hilfe ihrer Bauchbürsten, an denen die Nahrung für den Transport haften bleibt.

Sie leben gerne in Hohlräumen und nutzen daher auch liebend gerne ein Insektenhotel, wenn ihnen diese Möglichkeit angeboten wird. Die größeren Weibchen sind 12 – 16 Millimeter lang und haben zwischen ihren Haaren am Kopf zwei Hörner, daher kommt ihr Name.

Und während die Gehörnten Mauerbienen fleißig am Boden arbeiten, zieht am Himmel eine Schar Kraniche nach der anderen mit ihren markanten Rufen gen Norden – noch mehr Frühlingsboten.

Text und Fotos Michael Dodt

Die kranke Füchsin

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Hallo, ich bin’s wieder, „Weiser Weissbart“ mit einer neuen Geschichte für euch.

Eigentlich wollte ich nur einen kurzen Spaziergang machen, um eine kurze Regenpause auszunutzen. Doch plötzlich hörte ich vom Rand des großen Hügels laute Stimmen. „Schaut mal, ich kann auf ihr herumtanzen.“ „Und ich kann sie sogar an ihren Barthaaren ziehen!“  Ich bog um eine Ecke und sah zwei Mäuse, die eine Füchsin ärgerten. Normalerweise hätten sie sich das niemals getraut, aber die Füchsin lag völlig reglos vor ihnen.

„Na, das ist aber nicht die feine Art“; sagte ich zu den Mäusen. Die erschraken vom Klang meiner Stimme und suchten sofort das Weite. „Dankeschön“, sagte die Füchsin mit kaum hörbarer Stimme. Mühsam öffnete sie ein Auge. „Was ist denn los mit dir, bist du krank?“ wollte ich wissen. Es dauerte einen Moment, bis sie antworten konnte. „Ich habe etwas falsches gefressen, da war wohl Riesengift drin“ antwortete sie ganz leise. Riesengift ist eine sehr üble Sache. Sie legen es aus, meistens um Ratten zu vertreiben. Es macht sehr krank und kann einen sogar umbringen.

Am liebsten hätte ich die Füchsin an einen trockenen Ort gebracht, aber sie war viel zu groß und schwer für uns vom „Kleinen Volk“. Aber ich kenne mich ganz gut mit Kräutern aus, also machte ich mich auf die Suche, um das Leiden der Weggefährtin zu lindern. Ich sammelte Tollkirsche, Schafgarbe, Kamille, Salbei, Frauenmantel und noch ein paar andere Kräuter, aus denen ich einen starken Sud kochte. Den flößte ich der Kranken vorsichtig ein. „Ich hoffe, das hilft dir, mehr kann ich leider nicht für dich tun.“ „Danke“, hauchte sie und schloss wieder ihre Augen.

Auf einem Ast saß „Schwarzfeder“, eine Rabenkrähe und hatte alles beobachtet. „Magst du eine Auge auf sie haben“, bat ich sie. „Ich schaue morgen wieder nach ihr.“ „Mach ich, wenn du mir als Belohnung einen halben Apfel bringst“, antwortete die Krähe. „Dann muss ich mir nichts zu essen zu suchen“, schloss sie mit einem schelmischen Zwinkern.

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Am nächsten Morgen stand ich sehr früh auf, kochte mir schnell einen Tee und machte mich dann auf den Weg zu meiner Patientin. Sie lag noch genauso da wie gestern. „Sie hat sich nicht gerührt, aber sie atmet noch“, bemerkte „Schwarzfeder“. „Dann mach ich mich mal auf den Weg“, sagte sie und wollte losfliegen. „Halt, bitte bleib‘ noch, ich glaube, ich brauche dich noch“, sagte ich schnell. „Na gut“, meinte die Krähe und streckte nur ihre Flügel aus, um ihre Muskeln zu lockern..

„Kannst du mich hören?“, fragte ich die Füchsin. Mühsam öffnete sie ein Auge: „Ja, aber mir geht es nicht besser“, murmelte sie kaum hörbar. Dann brauchen wir einen Plan B, dachte ich bei mir. Auch wenn es mir nicht leicht fällt das zuzugeben, hier wusste ich nicht mehr weiter. Ich grübelte vor mich hin, aber die einzige Idee, die mir kam, gefiel mir gar nicht. Doch es half nichts, da konnte nur noch „Zottelhaar“ helfen. Sie lebte alleine für sich in einer verzauberten Hütte, die auf sechs Stelzen laufen konnte. „Weißt, du, wo sich „Zottelhaar“ gerade aufhält“, fragte ich die Krähe. „Ja, aber muss das sein?“; wollte sie wissen. „Ich fürchte, wir haben keine andere Wahl, wenn wir unsere Patientin retten wollen“, antwortete ich. „Na gut, ich fliege hin und hole sie“, antwortete sie. „Aber dafür schuldest du mir einen ganzen Apfel!“, und weg war sie.

„Zottelhaar“ machte ihrem Namen alle Ehre, ihr Äußeres war ihr völlig egal und sie mochte auch die anderen vom „Kleinen Volk“ nicht. Eigentlich mochte sie gar keine Gesellschaft. Aber sie  war die beste Heilerin weit und breit, und sie besaß sehr viel Kraft. Damit konnte sie meinen Sud verstärken so dass er die Füchsin wieder gesund machen würde. Hoffte ich jedenfalls. Die Riesen nennen das Magie oder Zauberei, aber bei uns heißt diese Fähigkeit einfach die Gabe. Alle vom „Kleinen Volk“ haben sie ein bisschen, aber „Zottelhaar“ besaß außergewöhnlich viel von der Kraft, die nötig war, um ihre Gabe zu nutzen.

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Bald kam „Schwarzfeder“ wieder angeflogen und landete über mir auf einem Ast. „Sie kommt gleich“, sagte sie. „Meinen Apfel hole ich mir dann später bei dir ab!“ Und weg war sie wieder. Es dauerte nicht lange, und ich hörte das typische Geklacker der Stelzenbeine von „Zottelhaars“ Haus. Es war schon ein bisschen unheimlich. Und seine Bewohnerin machte es nicht besser. Sie sprang aus ihrer Tür auf den Boden, ihre zotteligen braunen Haare flatterten um ihr Gesicht. Sie trug einen speckigen Mantel, ihr Gesicht war voller Ruß und Kalkfarbe. Ihre dunklen Augen schienen fast nur aus Pupillen zu bestehen.

„So, da bin ich. Was gibt es denn zu tun?“, wollte sie wissen. „Die Füchsin dort hat Riesengift gefressen. Ich habe ihr einen Kräutersud gemacht, aus Schafgarbe, Toll“ …. „Papperlapapp“, unterbrach sie mich. „Das will ich gar nicht wissen. Hol mir eine paar dünne Weidenzweige und dann geht’s los.“ Obwohl verärgert über ihre Unfreundlichkeit machte ich mich auf und brachte ihr die Zweige. „So, jetzt geh‘ mir aus dem Weg!“, befahl sie. Aus den Zweigen legte sie einen etwas eckigen Kreis um die Füchsin, holte aus den Beuteln an ihrem Gürtel einige Pulver, getrocknete Pflanzen und andere Sachen. Alles streute sie langsam sorgfältig auf den Weidenkreis.

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„So, das sollte wirken“, sagte sie zu sich selbst. Unvermittelt begann sie hüpfend um den Kreis zu tanzen, murmelte dabei einen schrägen Gesang. Nach fünf Runden stieß sie plötzlich einen schrillen Schrei aus, so dass ich mich schon sehr erschreckte. „Gut, das war’s. Nun bleibt nur noch meine Bezahlung zu klären.“ Sie zog ein scharfes Steinmesser aus ihrem Gürtel und ging zum Schwanz der Füchsin. „Hey, was hast du vor?“, wollte ich wissen. „Ich nehme mir ein dickes Büschel ihrer roten Schwanzhaare für einen Mantel oder eine Decke.“ Ich blieb still, denn niemand diskutierte mit „Zottelhaar“ über ihre Bezahlung.

„Naja, besser ein Loch im Schwanzfell als todkrank“, dachte ich bei mir. Und schon kletterte die Heilerin in ihre Hütte und klackerte davon. Tatsächlich ging es der Füchsin am nächsten Tag etwas besser und noch drei Tage später konnte sie wieder springen und laufen wie vor dem Riesengift. „Vielen Dank für deine Hilfe“, sagte sie mit einem schelmischen Grinsen. „Du hast mich gerettet, auch wenn meine Schönheit etwas gelitten hat.“

Da hatte sie recht, immerhin war alles gut ausgegangen. So, das war’s für dieses Mal, bis bald mit einer neuen Geschichte.

Text: Michael Dodt, Illustration Manuela Tolksdorf

Der Frühling naht

Noch ist es kalt, nass und grau in der Natur, vielleicht gibt es auch noch mal Schnee. Aber er ist auf dem Weg – der Frühling. Die ersten Blumen beginnen zu blühen, Bäume und Sträucher entwickeln die ersten Blätter und zarte Knospen beginnen zu sprießen.

Sobald sich die Sonne wieder etwas öfter zeigt, verändert sich die Pflanzenwelt jeden Tag. Es gibt also immer wieder etwas Neues zu entdecken auf unserem Naturerlebnispfad Alraune.

Auch die Vögel beginnen wieder den Tag mit ihrem Gesang zu begrüßen, die ersten suchen schon Material für den Bau ihrer Nester. Jetzt sind sie besonders gut zu beobachten, da die meisten Bäume und Sträucher noch kahl sind und kein dichtes Blätterdach die Sicht auf unsere gefiederten Freunde versperrt.

Meldet euch also an und kommt auf einen Besuch bei uns vorbei. Wir freuen uns auf euch!

Telefon: 040 – 20905009
Mail: team@naturerlebnispfad-alraune.de
www.naturerlebnispfad-alraune.de

Text und Bilder: Michael Dodt

Das dunkle Volk

Teil 2 – Die große Versammlung

So, da bin ich wieder und erzähle euch wie die Geschichte weitergeht.

Als sie den Palast erreichten, versammelte sich das „Dunkle Volk“ in der großen Halle. Sie bildeten einen großen Kreis, in dessen Mitte „Schönbein“ und „Glanzhaar“ abgesetzt wurden. Verängstigt hielten sich die beiden eng umschlungen. „So, da haben wir also zwei Gäste“, sagte „Rattenfürst“. „Was machen wir denn nun mit euch?“ „Lasst uns sofort gehen“, forderte „Glanzhaar“. „Wir wollen nach Hause“, bat „Schönbein“. „Ich glaube ich habe eine bessere Idee“, antwortete „Rattenfürst“. „Ihr bleibt hier und morgen werden wir sehen, was ihr euren Leuten wert seid.“ „Das könnt ihr nicht machen“, beschwerten sich die beiden. Ungefähr die Hälfte der Zuschauer johlte vor Begeisterung und klatschte Beifall, die anderen, darunter „Blutrose“, blieben still.

„Oh doch“, grinste „Rattenfürst“. „Hartfels“, hol die Schnur die die Riesen zum Fische fangen benutzen“. „Hartfels“, einer der beiden „Steinernen“, die die Frauen gefangen hatten, machte sich auf und kam schnell mit einem großen Knäuel der gewünschten Schnur zurück. „Schneidet ein paar körperlange Seile aus dem Gewusel“, sagte „Rattenfürst“ und schnell machten sich zwei aus der Menge an die Arbeit.

„Bitte nicht, lasst uns frei“, baten „Schönbein“ und „Glanzhaar“. Aber sie wurden gepackt und zu zwei der zahlreichen Stützen des Palastdaches gezerrt. Die meisten waren aus Holz, aber einige auch aus dem Material der Riesen, das die Leute vom „Dunklen Volk“ im angrenzenden Park gefunden hatten. Mit den Schnüren wurden die beiden Gefangenen an je eine Stütze gebunden, so fest, dass sie sich nicht mehr bewegen konnten.

„Ihr Grobiane, bindet uns sofort wieder los“, forderten die beiden. „Ihr redet zu viel“, antwortete „Rattenfürst“. Er bat „Tausendschön“, seine größte Verehrerin, um ein Stück Stoff. Die griff in ihren Rucksack und holte ein langes Halstuch heraus. Eigentlich war es ihr Lieblingshalstuch, aber für „Rattenfürst“ würde sie alles hergeben. Der zerriss das Tuch in zwei Hälften in zwei Hälften. Er ging zu „Schönbein“ und band ihr damit den Mund zu. „Nein, bitte nicht“, flehte „Glanzhaar“. Aber schon war auch ihr Mund verbunden. Alles was jetzt noch zu hören war ein leises „Hmmmpf“. „So ist es doch viel ruhiger“, meinte „Rattenfürst“ grinsend. „Morgen sehen wir weiter“.

Nach und nach löste sich die Versammlung auf und die meisten gingen zu ihren Wohnungen, die abgetrennt am Rande des großen Saales lagen. Nur „Hartfels“ blieb als Wächter zurück.

„Blutrose“ war an den Fluss gegangen um den Mondaufgang zu bewundern. Als der fast volle Mond ganz zu sehen war machte sie sich wieder auf den Weg in die Palasthalle. „Ich löse dich ab, ich kann eh nicht schlafen“, sagte sie zu „Hartfels“. „Klasse, das ist echt lieb von dir“, freute der sich und eilte zu seinem Bett. „Oh nein,“ dachten die beiden Gefangenen, „jetzt wird sie uns bestimmt piesacken und wir sind völlig hilflos. Wir hätten es mit ihr ja auch gemacht, bitte nicht zu doll“.

Aber „Blutrose“ setzte sich auf einen Hocker und wartete einfach ab. Nach einiger Zeit ging sie zum Eingang und rief „Die Luft ist rein“. Aus dem Dunkel der Nacht erschien „Flechthaar“. „Komm, wir schneiden die beiden los und lassen sie laufen“, sagte sie. Ein erstauntes „Hmmmmpf“ war von „Glanzhaar“ und „Schönbein“ zu hören. Damit hatten sie nicht gerechnet.

„Den Stofffetzen behaltet ihr noch bis wir draußen sind, ihr beiden redet echt manchmal zu viel“, meinte „Blutrose“ grinsend. „Hmmmpf“, war die zustimmende Antwort. Draußen angekommen befreiten sich die beiden von ihrem Knebel. „Danke euch“, sagte „Schönbein“. „Das war sehr lieb von dir“, sagte „Glanzhaar“ zu „Blutrose. „Begleitest du uns nach Hause, Flechthaar?“ „Nein, ich verbringe die Nacht mit meiner Freundin“, antwortete er. „Was? Sie?“ Die beiden waren sehr überrascht. Sie waren beide in „Flechthaar“ verliebt, er hatte aber kein Interesse an ihnen gezeigt. Alle vermuteten, dass er eine heimliche Freundin hatte. Und die war also „Blutrose“.

Sehr erleichtert, dass alles so glimpflich ausgegangen war, und etwas enttäuscht, das sie beide ihre Hoffnung auf „Flechthaar“ endgültig aufgeben konnten, gingen die beiden zu ihrer Wohnung. „Blutrose“ und „Flechthaar“ verschwanden Händchen haltend im Dunkel der Nacht.

Am nächsten Morgen entdeckte „Rattenfürst“ die Flucht der beiden. Wütend rief er „Hartfels“ herbei: „Wie konntest du die beiden entwischen lassen?“, tobte er. „Hab‘ ich gar nicht“, rechtfertigte der sich. „Blutrose“ hat mich abgelöst, du hättest mich ja die ganze Nacht nicht schlafen lassen. „Blutrose? Das darf ja wohl nicht wahr sein! Ich berufe sofort eine Versammlung ein“, sagte „Rattenfürst“.

Es dauerte etwas, aber dann hatte sich das „Dunkle Volk“ in der Halle versammelt. „Rattenfürst“ begann: „Blutrose hat uns alle verraten und die Gefangenen befreit. Wie wollen wir sie dafür bestrafen?“ Ein Teil der Menge brüllten ihre Vorschläge in die Versammlung, am lautesten war „Tausendschön“: „Wir sollten sie selber festbinden und mit Brennnesseln streicheln!“ Ungefähr die Hälfte der Menge johlte vor Begeisterung, aber eine ebenso große Anzahl blieb still. „Ihr solltet euch erst einmal anhören, welche Gründe ich hatte“, sagte „Blutrose“ so laut, das es alle hören konnten.

„Ich habe gestern Abend noch mit „Weiser Weissbart“, „Flechthaar“ und ein paar anderen gesprochen…“ „Noch mal Verrat“, tobte „Rattenfürst“. „Nun lass mich bitte ausreden“, fuhr sie fort. „Du hast mit deiner Aktion gestern alle Regeln für die Nutzung der „Leckerwiese“ gebrochen. Und wir haben nicht die anderen verjagt, sondern sie uns. Ich habe die beiden freigelassen und dafür können wir in Zukunft die „Leckerwiese“ jeden Tag nutzen, abwechselnd morgens und abends, damit es keinen Ärger mit den anderen gibt.“

Jetzt kippte die Stimmung. Plötzlich klatschten fast alle Beifall: „Toll, „Blutrose“, damit ist ja alles wieder wie vorher, sogar noch besser für uns. Wenn einer eine Bestrafung verdient hat, dann wohl eher „Rattenfürst“, rief „Hartfels“ in die Menge. „Rattenfürst“ wurde rot vor Zorn: „Niemand hier bestraft mich, ich bin euer Anführer!“ „Wir brauchen keinen Anführer“, erwiderte „Blutrose. Fast alle klatschten laut Beifall, nur „Tausendschön“ und eine Handvoll anderer schwieg. „Wenn das so ist, werde ich euch verlassen“, brüllte der selbsternannte Anführer. „Wer wirklich zum „Dunklen Volk“ gehört, kommt mit mir! Und die Ratten nehme ich auch mit!“

„Dann geht, das ist vielleicht für uns alle am besten“, sagte „Blutrose“. „Rattenfürst“, „Tausendschön“ und eine Handvoll anderer machten sich auf um ihre Sachen zu packen. Zusammen mit den Ratten gingen sie zum Fluss, um auf drei oder vier der Flöße den Fluss hinab zu fahren. Die Flöße wurden von den kleinen Riesen gebaut und zu Wasser gelassen. Wenn sie sich dann später am Ufer verfingen, holte das „Dunkle Volk“ sie sich.

Und so machten sich „Rattenfürst“, die Ratten und seine verbliebenen Anhänger auf ihre Reise in Ungewisse.

Text: Michael Dodt, Zeichnungen: Manuela Tolksdorf

Das dunkle Volk

Teil 1 – Die Rauferei auf der „Leckerwiese“

Hallo, „Weiser Weissbart“ ist wieder da mit einer neuen Geschichte für euch. Diesmal handelt sie vom „Dunklen Volk“. Bevor ich beginne sie zu erzählen, möchte ich euch erstmal von der Entstehung des „Dunklen Volkes“ berichten:

Wie überall gibt es auch bei unseren Völkern immer ein paar Wesen, die etwas anders sind als die anderen. Im „Dunklen Volk“ haben sich einige von ihnen zusammengeschlossen und so eine neue Gemeinschaft gebildet. Viele von ihnen unterscheiden sich von uns, sind sehr nachdenklich, ziehen sich öfter mal zurück, lieben eher den Schatten als das Licht und den Mond als die Sonne.

Sie leben auf der anderen Seite des Flusses unter sich, in einem – wie sie sagen – Palast in den Brombeersträuchern. Die Decke ist aus einem Material der Riesen, das sie im angrenzenden Park gefunden haben. So sind sie vor Wind und Regen geschützt. Bis vor kurzem hatten sie wie alle anderen Gruppen des „Kleinen Volkes“ keine richtigen Anführer, aber das hat sich jetzt geändert. Einer von ihnen, „Rattenfürst“, gewinnt immer mehr an Einfluss und viele des „Dunklen Volkes“ folgen seinen Entscheidungen.

„Rattenfürst“ ist der Zwillingsbruder von „Flechthaar“, der später ebenfalls in dieser Geschichte eine wichtige Rolle spielen wird. Er hat durch Essensreste der Riesen die Gunst von vier Ratten gewonnen, auf denen er und drei der anderen auch reiten können. Unter den Ratten herrscht eine strenge Rangordnung, so werden die schwächsten immer zum probieren von Futter ausgeschickt. Es könnte ja von den Riesen vergiftet worden sein. Diese vier gehörten zu den Testern, und alle anderen Ratten konnten auf ihnen herumhacken. So fiel es „Rattenfürst“ leicht, sie an sich zu gewöhnen und abzurichten.

So, nun aber zu der Geschichte: Vor ein paar Tagen kam „Schleckermaul“, ein junger Mann von uns, ganz aufgeregt zu mir: „Weiser Weissbart“, du musst uns helfen. Wir haben auf der „Leckerwiese“ Früchte vom Boden aufgesammelt, als plötzlich eine große Gruppe vom „Dunklen Volk“ auftauchte. Vier von ihnen ritten auf Ratten und sie haben uns von der Wiese gescheucht. Gegen sie und ihre Ratten hatten wir keine Chance.“ „Haben sie euch verprügelt?“ wollte ich wissen. „Nein, wir sind schnell genug abgehauen“, antwortete „Schleckermaul“. „Dann gehen wir zu „Flechthaar“, der kann uns helfen“, sagte ich.

„Flechthaar“ gehört zu den „Die auf Fröschen und Molchen reiten“, er selber fliegt gelegentlich auf einem Habichtmännchen, mit dem er sich angefreundet hat, durch die Luft. Er ist größer als die meisten von uns und hat sein Haar mit Wasserpflanzen zu vielen kleinen Zöpfen geflochten. Obwohl er echt groß ist muss es ein Habichtmännchen sein, denn die sind viel kleiner als die Weibchen. So ein Weibchen wäre selbst für ihn zu groß.

Nachdem wir ihm von dem Streit auf der „Leckerwiese“ berichtet hatten sagte er: „Ihr trommelt so viele von uns zusammen wie ihr könnt, ich gehe „Scharfkralle“, meinen Habichtfreund, rufen. Mit ihm werden wir das „Dunkle Volk“ und die Ratten schon vertreiben.“

Eigentlich nutzen wir und das „Dunkle Volk“ die Früchte der „Leckerwiese“ beide, auch wenn wir uns dabei aus dem Weg gehen. Dort gibt es Pflaumen, Kirschen, Birnen, Äpfel und Sanddorn.

Aber verjagen konnten wir uns nicht gefallen lassen. Also versammelten wir möglichst viele vom Kleinen Volk, bis auch schon „Flechthaar“ auf seinem Habicht eintraf. Als wir auf der „Leckerwiese“ ankamen waren fast alle des „Dunklen Volkes“ mit dem aufsammeln und zerteilen der heruntergefallenen Früchte beschäftigt. Am Rand bewachten „Rattenfürst“ und drei andere auf den Ratten die Arbeit. Als sie uns entdeckten rief er: „Na, habt ihr noch nicht genug? Dann zeigen wir es euch jetzt richtig!“

Aber schon kam „Flechthaar“ auf „Scharfkralle“ angeflogen und die Ratten quiekten laut vor Schreck: „Oh nein, nicht unser Erzfeind“. Sie warfen ihre Reiter ab, bis auf „Rattenfürst“, der sich auf seiner Ratte halten konnte. Alle stürmten in panischer Flucht in Richtung Brombeerberg, um über den Fluss zu ihrem Palast zu gelangen. Die anderen des „Dunklen Volkes“ hatten ohne ihre Reiter den Mut verloren und folgten ihnen.

Wir jubelten laut: „Das habt ihr nun davon“ und verfolgten die Fliehenden bis zum Fuß des Brombeerberges. Mit dabei waren auch „Schönbein“ und „Glanzhaar“, die „Blutrose“ unter den Früchtesammlern entdeckt hatten. Früher waren die drei beste Freundinnen gewesen, aber dann hatten sie sich auseinandergelebt, weil sie anders als die beiden immer nachdenklicher wurde und oft für sich alleine sein wollte. Um ihr Leben auf ihre eigene Art zu leben war sie dann zum „Dunklen Volk“ gezogen.

„Komm, lass uns unserer alten Freundin eine kleine Abreibung verpassen“, sagte „Schönbein“ zu „Glanzhaar“. „Blutrose“ mit ihrem langen, leuchtenden Haaren in der Farbe des Sanddorns stach deutlich unter den anderen Fliehenden hervor. Die beiden hatten sie schon fast erreicht, als die Flüchtende im Dickicht am Fuße des Brombeerberges verschwand. Dort hinein konnten sie nicht auf Frosch und Molch reiten, aber sie machten sich zu Fuß an die Verfolgung.

Eilig rannten die beiden durch das Unterholz und konnten die Verfolgte schon fast schon berühren. Doch plötzlich wurden sie von zwei ehemaligen „Steinernen“ gepackt, die sie übersehen hatten. Die waren viel stärker als sie und warfen sich die wild zappelnden Frauen einfach über die Schulter und schleppten sie davon. „Hey, sofort los lassen, das könnt ihr nicht machen“, rief „Schönbein“. „Aua, du tust mir weh“, beschwerte sich „Glanzhaar“, aber ihre beiden Entführer kannten kein Erbarmen.

Sie trugen ihre Gefangenen über den „Brombeerberg“ zum Fluss und überquerten ihn auf einer Holzbrücke, die die letzten Flüchtenden hinter sich auf ihre Seite des Flusses zogen, damit ihnen niemand weiter folgen konnte. Allerdings hatte keiner von uns die Absicht dazu, denn alle bis auf „Schönbein“ und „Glanzhaar“ hatten die Verfolgung am Fuße des Brombeerberges eingestellt.

Als sie den Palast erreichten versammelte sich das „Dunkle Volk“ in der großen Halle.

Anmerkung „Weiser Weissbart“: So, nun müssen wir eine Pause machen, die Geschichte wird sonst zu lang. Wie es weitergeht, erfahrt ihr demnächst.

Text: Michael Dodt, Zeichnungen: Manuela Tolksdorf

Die rettende Flöte

Es ist mal wieder soweit, ich, „Weiser Weißbart“, habe eine neue Geschichte für euch. Sie begann vor ein paar Tagen. Der Gesang von „Feine Feder“, einem Rotkehlchen, hatte sich plötzlich verändert. Die Riesen lieben die Lieder dieser Singvögel, aber wir vom „Kleinen Volk“ verstehen sie auch. In das typische: „Hier ist mein Revier, haltet bloß Abstand“ mischte sich ein schrillerer Ton: „Hilfe, Hilfe“.

Ich machte mich auf den Weg, um der Sache auf den Grund zu gehen. „Feine Feder“ saß im dichtesten Geäst eines Baumes im Mittelpunkt ihres Reviers. „Was ist denn los?“, fragte ich. „Oh, ein Sperber hat es auf mich abgesehen“, antwortete sie. „Naja, das ist zwar gefährlich für dich, aber Sperber jagen doch alle kleinen Singvögel.“ „Stimmt schon, nur diesmal ist es persönlich.“

„Wieso das denn?“, wollte ich wissen. „Naja, ich glaube ich habe es etwas übertrieben“, kam die Antwort. „Vor zwei Tagen hat ein Sperber mich gejagt, aber ich konnte mich in diesen Baum retten. Hier kommt er nicht rein, dafür ist er zu groß. Dann habe ich ihn verspottet als unfähigen Jäger, großen Tollpatsch und dazu noch ein paar andere Beleidigungen“, gab „Feine Feder“ kleinlaut zu. „Hmm, das war nicht sehr schlau von dir.“ Normalerweise gibt ein Sperber die Jagd nach einem Misserfolg auf und sucht sich eine andere Beute. „Jetzt lauert mir auf und greift mich an, sobald ich den Baum verlasse. Ich habe seitdem nichts mehr gegessen.“

„Nun, ich werde sehen was ich für dich tun kann“, sagte ich. Zuerst bat ich „Kieselgrund“, einen der „Steinernen“, einen fetten Regenwurm zu erbeuten und ihn dem hungernden Rotkehlchen zu bringen. Die „Steinernen“ sind zwar nicht größer als die anderen vom „Kleinen Volk“, aber viel stärker. Mich könnte ein dicker Regenwurm, der länger als ich ist, in einige Schwierigkeiten bringen. Danach überlegte ich mir eine Lösung für das Problem von „Feine Feder“.

Ein Sperber hat eigentlich nur einen echten Feind, den Habicht. Der sieht zwar aus wie sein großer Bruder, macht aber gerne Jagd auf seinen kleineren Verwandten. Dann fielen mir die „Die in der Luft schweben“ ein, eines unserer Völker (das bereits in der Geschichte „Die Bienenkönigin“ eine wichtige Rolle spielte). Sie lieben Musik und Tanz und stellen sehr feine Musikinstrumente her. Ich machte mich auf zu ihrem Baum, wo sie im dichten Gewirr der Äste in runden Nestern wohnen. Die erste, die ich dort entdeckte, war „Vierflügel“. Anders als die meisten anderen ihrer Art hat sie vier statt zwei Flügel, wie auch die Libellen.

„Guten Morgen meine Schöne“, begann ich sehr höflich. So vergnügt, wie sie in der Luft herumtanzte, brauchte ich nicht zu fragen wie es ihr ging. „Ich störe dich nur ungern, aber ich hätte da eine Bitte.“ Ich erzählte ihr von dem Problem des Rotkehlchens und von meiner Idee, eine Flöte zu bauen, die genau wie der Schrei des Habichts klang. „Hmmm, das klingt nach einer sehr interessanten Aufgabe“, meinte „Vierflügel“. „Das mache ich echt gerne, aber ich werde mindestens einen ganzen Tag dafür brauchen.“ „Vielen Dank schon mal, gib mir einfach Bescheid, wenn Du sie fertig hast.“

Ich berichtete „Feine Feder“ von dem Gespräch, die sehr erleichtert war, und machte mich dann auf den Weg nach Hause, um in aller Ruhe einen Tee und ein Pfeifchen zu genießen. Als ich am nächsten Morgen noch nichts von der Geflügelten gehört hatte, bat ich „Kieselgrund“, noch einen Regenwurm für das Rotkehlchen zu besorgen. Gegen Mittag tauchte „Vierflügel“ bei mir auf. „Da ist die Flöte, das war viel Arbeit, aber es hat auch echt Spaß gemacht, so eine Herausforderung zu meistern“, sagte sie stolz lächelnd. „Ich danke dir sehr“, antwortete ich. „Dann probiere ich sie mal aus“. Und tatsächlich, die Flöte klang genau wie der Schrei des Habichts. „Phantastische Arbeit“, lobte ich die Künstlerin.

Mit einem breiten Grinsen flog sie davon. Ich suchte noch zwei kurze, geflochtene Bänder zusammen und machte mich dann auf den Weg zum Rotkehlchen. „Feine Feder“ hockte noch immer im Schutz ihres Baumes. „Sieh mal, was ich für dich habe“, sagte ich. Dann blies ich in die Flöte und sie zuckte vor Schreck zusammen. „Wow, das klingt echt wie der Habicht“, jubelte sie. „Aber wie soll ich sie immer bei mir haben, ich habe ja keine Hände wie du?“

„Auch daran habe ich gedacht“, antwortete ich und zeigte ihr die Bänder. „Damit können wir die Flöte an eine deiner Zehen binden und du hast sie immer bei dir.“ Also machte ich mich ans Werk und sie blies noch einmal in die Flöte. Dann startete sie, um zu testen wie es sich mit der Flöte so fliegen ließ. Nach ein paar Runden landete sie wieder vor mir. „Toll, ich kann genauso gut fliegen wie vorher, die Flöte behindert mich überhaupt nicht“, freute sich „Feine Feder“.

Zufrieden mit der Lösung des Problems machte ich mich auf den Weg nach Hause. Aber nicht alle waren glückliches glücklich über die künstlichen Habichtschreie, vor allem die Tauben und Eichhörnchen, die auch auf dem Speiseplan des Habichts standen, waren verärgert von dem ständigen Zusammenzucken, wenn der vermeintliche Raubvogel rief.

Ein paar Tage später hatten sich alle wieder beruhigt, denn der Sperber hatte seine Lauer auf das Rotkehlchen aufgegeben und „Feine Feder“ musste die die Flöte nicht mehr so oft benutzen. So, das war’s, bis zum nächsten Mal mit einer neuen Geschichte.

Text: Michael Dodt, Zeichnungen: Manuela Tolksdorf

Spätsommer auf dem Alraune Naturerlebnispfad

Text: Michael Dodt, Fotos: Robert Brinckmann

Die Natur hat auch im Spätsommer viel zu bieten. Die ersten Früchte wie Sanddorn und frühe Apfelsorten werden reif, einige  Blätter verfärben sich schon und die Bäume bereiten sich auf die kälteren Tage vor.

Auch die Bienen sind noch sehr aktiv und sammeln fleißig überwiegend Pollen.

Blumen und Gräser funkeln prachtvoll im Schmuck der Tautropfen, nachdem sich der Morgennebel aufgelöst hat. Die Sonne hat noch viel Kraft, aber sie scheint nicht mehr solange.

Überall schießen Pilze aus dem Boden oder Holz, wenn ihr euch hinlegt könnt ihr sie aus einer ganz neuen Perspektive entdecken. Dann werden die Pilze, kleinen Gewächse und Moose zu einem richtigem Wald.

Die ersten Zugvögel sind zu hören und mit etwas Glück auch zu sehen, manche wie die Mauersegler sind sogar schon auf dem Weg ins Winterquartier. An den Teichen sind viele Libellen zu entdecken, die die letzten warmen Tage genießen.

Andere Tiere wie die Eichhörnchen beginnen Eicheln und Nüsse als Vorrat für den Winter zu sammeln und zu verstecken. Viele Blumen blühen auch jetzt noch in allen Farben, als ob sie das Sonnenlicht feiern bevor die eher grauen Herbst- und Wintertage kommen.

Wir ernten Honig

(ein Beitrag von Michael Dodt)

Fast alle Menschen lieben Honig. Aber die wenigsten wissen auch, wie er geerntet wird. Dafür müssen als erstes die Waben aus dem Bienenstock entnommen werden. Damit das für die Bienen möglichst stressfrei abläuft, wird zunächst eine Bienenflucht zwischen dem Brutraum und dem Honigraum eingerichtet. Der Honigraum ist oben im Bienenstock, der Brutraum ganz unten. So können die Sammlerinnen zwar in den Brutraum krabbeln, aber nicht mehr zurück. Am nächsten Morgen wird früh aufgestanden, damit die Bienen keinen frischen und damit nassen Honig einbringen können. Jetzt können die vollen Waben entnommen werden.

Als nächstes werden die Waben entdeckelt, indem man die Wachschicht mit einem speziellem Werkzeug, der sogenannten Entdeckelungsgabel, entfernt.

Das Wachs wird aufbewahrt, daraus werden zum Beispiel Kerzen hergestellt. Dann werden die Waben in die Schleudertrommel gesetzt. Man startet mit einer langsamen Drehgeschwindigkeit, die nach und nach erhöht wird. Jetzt die Waben wenden und alles nochmal wiederholen.

Wusstet ihr das es ohne die fleißigen Bienen gar keinen Honig gebe? In ihrem kurzen Leben produziert eine Sammelbiene ungefähr einen Teelöffel Honig. Dazu besucht sie rund 60.000 Blüten und legt gut 800 Kilometer zurück. Für ein Glas Honig werden rund drei Liter Nektar benötigt. Um diese anstrengende Arbeit zu würdigen, lässt ihnen ein guter Imker immer einen Teil des Honigs, anstatt ihn durch Zuckerwasser zu ersetzen.