Hochsommer auf unserem Naturerlebnispfad

Wenn es im Hochsommer richtig heiß wird in Hamburg, hat unser Naturerlebnispfad eine Menge zu bieten. Hier ist es immer ein paar Grad kühler als in der Stadt, dafür sorgen vor allem die vielen Bäume, die nicht nur Schatten spenden, sondern auch für ein paar Grad weniger Temperatur sorgen.

Auch unsere Teiche sorgen immer für frischere Luft.

Überall wachsen und gedeihen unsere Pflanzen, die Blumen genauso

wie alles was in unseren Beeten sprießt.

Darüber freuen sich auch die Schnecken, die zu unserem Leidwesen ihre Fraßspuren hinterlassen.

Die Bienen genießen die Wärme des Hochsommers, und sorgen für die Bestäubung.

Früchte wie die Johannisbeeren zeigen sich,

und auch dem Kompostberg reifen Sonnenblumen und Kürbisse.

Hier bei uns ist es also nicht nur etwas kühler, sondern es gibt auch immer etwas Neues zu entdecken.

Text und Fotos Michael Dodt

Ein Rückblick auf den

auf den Naturerlebnispfad Alraune

Der lange Tag der Stadtnatur am 13.06.2026 bei uns war wieder ein voller Erfolg. Sogar das Wetter spielte halbwegs mit, es gab nur zwei kleine Schauer. Zumindest bis kurz vor Schluss, dann setzte Starkregen ein. Aber es hätte schlimmer kommen können.

Insgesamt nahmen verteilt auf sechs Gruppen mehr als fünfzig Kinder teil, dazu kamen noch die Eltern. Wir boten drei verschieden Veranstaltungen an, jeweils zweimal.

Von „Wer checkt ein im Insektenhotel“ gibt es leider keine Fotos, aber dafür von „Die Arbeit eines Imkers“. Als erstes besuchten die Kinder die Wildbienen und hörten viel Wissenswertes über  diese nützlichen Tiere.

Als nächstes wurden die Beuten der Honigbienen besucht, auch hier gab es viel Neues zu erfahren.

Dann folgte der praktische Teil, zunächst wurden die Waben entdeckelt, indem die Wachschicht mit einem speziellem Werkzeug, der sogenannten Entdeckelungsgabel, entfernt wurde.

Das Wachs wird aufbewahrt, daraus können wir unter anderem werden zum Beispiel Kerzen machen. Als nächstes wurden die Waben in die Schleudertrommel gesetzt. Die Honiggewinnung begann mit einer langsamen Drehgeschwindigkeit, die nach und nach erhöht wurde. Danach wurden die Waben gewendet und alles nochmal wiederholt.

Zum krönenden Abschluss gab es für jedes Kind noch ein großes Glas mit unserem leckeren Honig.

Unsere dritte Veranstaltung war „Leben an und im Wasser“. Als erstes konnten die Kinder mit einem Kescher in unserem Libellenteich auf die Jagd gehen,

Dabei gab es schnell die ersten Erfolgserlebnisse wie diesen Molch.

Wer sich traute, konnte einmal ausprobieren, wie es sich anfühlt einen Molch aus der eigenen Haut zu spüren. Das fühlt dich überhaupt nicht eklig an!

Die mit dem Kescher erbeuteten Tiere wurden dann in ein Aquarium gesetzt, damit alle sie bestaunen konnten, wie auch diesen Frosch.

Aber auch die kleinsten, mit dem bloßem Auge kaum sichtbaren Tiere wie zum Beispiel Wasserflöhe, konnten mit Hilfe eines Mikroskops erforscht werden.

Alle Kinder hatten viel Spaß und haben dabei auch noch spielerisch viel Neues gelernt und erfahren. Wir und die Teilnehmer freuen uns jetzt schon auf den nächsten langen Tag der Stadtnatur 2027!

Fotos: Samira Ablass   Text: Michael Dodt

Spätfrühling auf dem Naturerlebnispfad Alraune

Überall bei uns auf dem Naturerlebnispfad zeigt sich der Frühling in all seiner Pracht.

Vor allem am frühen Morgen ist das Licht besonders schön, ob an der Fontäne auf dem Libellenteich, an seinen Ufern oder im Weidentipi.

Die Blumen zeigen die Vielfalt ihrer Blütenpracht in den verschiedensten Farben und Formen.

Aber auch Nutzpflanzen gedeihen bei uns prächtig, wie die Brombeere, verschiedenste Kräuter und Salate oder der lila Kohlrabi.

Auch die Insekten genießen die Morgensonne, wer genau hinschaut kann unter anderem Hummeln und Schwebfliegen entdecken. Die Bienen brauchen noch ein bisschen mehr Sonne und Wärme, sie dösen noch in ihren Bienenbeuten.

Fotos und Text: Michael Dodt

Der Winter geht –

der Frühling kommt

Nachdem wir endlich mal wieder einen richtigen Winter mit ordentlich Schnee hatten, genießen wir jetzt den Start in den Frühling, gerade bei uns auf dem Naturerlebnispfad Alraune.

Die ersten Blumen zeigen ihre bunten Köpfe, ihnen folgt die Blüte der Obstbäume.

Die Laubbäume beginnen zu knospen, darauf freuen sich vor allem die Raupen der Schmetterlinge. Die mehrjährigen unter ihnen, wie der Zitronenfalter, warten auf den ersten Nektar.

Die ersten Hummeln lassen sich beobachten, bald gefolgt von den Mauerbienen.

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Die Vögel beginnen mit der Balz, um einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Einige Paare bilden sich neu, andere wie die Kraniche bleiben sich in der Regel treu..

Kommt uns gerne besuchen, auch im Frühling gibt es jeden Tag etwas Neues zu entdecken.

Fotos und Text: Michael Dodt

Der verlassene Kaninchenbau

Da bin ich wieder, „Weiser Weißbart“,  mit einer neuen Geschichte für euch. Wie ihr bestimmt noch wisst, unterrichte ich bei uns oft die Kinder vom Kleinen Volk.  Anders als bei euch Riesen haben wir keine Schulen, der Unterricht findet bei uns draußen in der Natur statt. Dort können unsere Kinder alles sehen, riechen, hören, schmecken und  berühren. Wenn es zu doll regnet oder zu kalt ist, erzähle ich in meinem Baum Geschichten, zu denen die Kinder viele Fragen stellen. So lernen sie auch dazu.

Vor ein paar Tagen wollte ich eigentlich ich den Kleinen die Mauersegler zeigen, Vögel ähnlich wie die Schwalben, die fast ihr ganzes Leben fliegend verbringen. Aber dann kam alles ganz anders. Als ich ankam standen schon alles in einer großen Gruppe zusammen und redeten aufgeregt durch einander. „Was ist denn los?“, wollte ich wissen. „Ich war bis gestern mit meiner Mutter bei Verwandten zu Besuch, die ganz weit weg in einem großem Park leben“, plapperte „Viele Zöpfe“, ein Mädchen aus dem Clan „Die auf Fröschen und Molchen reiten“, aufgeregt los. Dort gab es ganz viele Tiere, die ich hier noch nie gesehen habe. Meine Mama sagte, das sind Kaninchen.“

„Ja, die gab es früher auch hier, aber das ist schon lange her. Da wart ihr alle noch nicht geboren“, sagte ich. „Aber die sind so niedlich“, fuhr „Viele Zöpfe“  fort. „Sie tobten auf einer großen Wiese umher, Erwachsene und Junge alle miteinander. Dann fing plötzlich einer an mit den hinteren Beinen zu trommeln und kurz danach waren alle plötzlich zwischen Büschen und Sträuchern verschwunden. Sie hatten eine Katze entdeckt, die versuchte sich anzuschleichen.“ „Das Trommeln ist ein Warnzeichen, dann verstecken sie sich in ihrem Bau“, erklärte ich den Kindern.

„Aber kurz danach waren alle schon wieder auf der Wiese“; fuhr das Mädchen fort. „Dann stieß eines von ihnen einen ganz schrillen, langgezogenen Schrei aus. Und ganz schnell waren alle wieder verschwunden. Ein Habicht schoss über den Rasen, aber er kam zu spät.“  „Tatsächlich haben die Kaninchen viele Feinde, Katzen, Greifvögel wie der Habicht, aber auch Füchse und Hunde. Daher müssen sie ständig wachsam sein“, sagte ich. „Wir können uns jetzt einen alten Bau von ihnen ansehen, er ist nicht weit von hier entfernt.“

„Auja“, freuten sich die Kinder. „Schade, dass es sie hier nicht mehr gibt“, kam von „Viele Zöpfe“. Die sind so süß, eines von ihnen hat mich sogar kurz auf sich reiten lassen.“ „Wollen wir denn jetzt los?“, warf ich ein. „Auja“, kam es ein zweites Mal und dann marschierten wir tatsächlich los.

Der Kaninchenbau war nicht weit entfernt. Vor dem Eingang war ein großer Erdhaufen zu sehen. „Wenn die Hoppler ihren Bau graben bewegen sie ganz viel Erde, die liegt hier“, erklärte ich den Kindern. Der Eingang war wirklich sehr hoch und breit, mehr als fünfmal so groß wie wir vom Kleinen Volk. Der Gang dahinter war sehr lang, wurde mit der Zeit aber immer schmaler. Wir zündeten unsere Fackeln an, denn hier drinnen war es stockdunkel. Nach einem ordentlichen Marsch erreichten wir eine große Höhle. „Hier wohnten die Kaninchen, es war genug Platz für alle. Hier haben sie sich zusammen gekuschelt, geschlafen und sich gegenseitig ihr Fell geputzt“; erklärte ich. „Das ist ja echt riesig hier“, staunten die Kinder.

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„Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken“, sagte ich. „Kommt mit.“ Wir gingen zum Rand der großen Höhle,  wo es viele kleinere Höhlen gab. Im Gegensatz zur Großen lag hier noch altes Laub, Fellbüschel und Stroh herum. „Hier haben sie ihre Jungen geboren, ganz nackt und blind für die erste Zeit“, fuhr ich fort. „Deshalb auch das ganze Zeug, damit die Babys es warm und gemütlich hatten. Auf dem Weg nach draußen nehmen wir einen anderen Tunnel, dann erfahrt ihr noch etwas mehr über die Kaninchen.“

Ich führte unsere Schar zu einem anderen Tunnel, der viel schmaler und niedriger war. Für uns immer noch recht groß, aber gerade so hoch und breit, das ein Kaninchen gut durchpasste. Am Ende schien plötzlich das Tageslicht von oben auf uns herab. „Nun wird es sportlich, wir klettern jetzt da hoch“, sagte ich. „Hurrah“, jubelten die Kinder und schnell ging es steil nach oben.

Wir kamen unter einem Strauch oben an, alle etwas schmutzig von der Kraxelei. „Jetzt verstehe ich auch, wie die Kaninchen so schnell auf der Flucht verschwinden konnten“; stellte „Viele Zöpfe“  fest. „Sie mussten sich ja nur in den Eingang plumpsen lassen. Ganz schön schlau von ihnen. Und warum gibt es sie hier bei uns nicht mehr?“, wollte sie wissen. „Bei ihnen hatte sich eine schwere Krankheit ausgebreitet, die ihre Augen zu schwellen  ließ. Bei so vielen Kranken konnten wir auch mit unserer Gabe nicht helfen.“

„Wie schade“, kam von den Kindern. „Aber denen von „Viele Zöpfe“ geht es ja gut.“ „Genauso ist es, die Welt der Natur ist in einem ständigem Wandel“, schloss ich. „Das war’s für heute mit dem Unterricht, habt alle noch einen schönen Tag!“

Für mich wurde es jetzt Zeit für einen gemütlichen Tee und bis bald mit einer neuen Geschichte.

Zeichnungen: Manuela Bigl, Text: Michael Dodt

Spätsommer auf dem Alraune Naturerlebnispfad

Text: Michael Dodt, Fotos: Robert Brinckmann

Die Natur hat auch im Spätsommer viel zu bieten. Die ersten Früchte wie Sanddorn und frühe Apfelsorten werden reif, einige  Blätter verfärben sich schon und die Bäume bereiten sich auf die kälteren Tage vor.

Auch die Bienen sind noch sehr aktiv und sammeln fleißig überwiegend Pollen.

Blumen und Gräser funkeln prachtvoll im Schmuck der Tautropfen, nachdem sich der Morgennebel aufgelöst hat. Die Sonne hat noch viel Kraft, aber sie scheint nicht mehr solange.

Überall schießen Pilze aus dem Boden oder Holz, wenn ihr euch hinlegt könnt ihr sie aus einer ganz neuen Perspektive entdecken. Dann werden die Pilze, kleinen Gewächse und Moose zu einem richtigem Wald.

Die ersten Zugvögel sind zu hören und mit etwas Glück auch zu sehen, manche wie die Mauersegler sind sogar schon auf dem Weg ins Winterquartier. An den Teichen sind viele Libellen zu entdecken, die die letzten warmen Tage genießen.

Andere Tiere wie die Eichhörnchen beginnen Eicheln und Nüsse als Vorrat für den Winter zu sammeln und zu verstecken. Viele Blumen blühen auch jetzt noch in allen Farben, als ob sie das Sonnenlicht feiern bevor die eher grauen Herbst- und Wintertage kommen.

Langer Tag der Stadtnatur bei uns auf dem Naturerlebnispfad Alraune

Wir bieten am Langen Tag der Stadtnatur drei Veranstaltungen an: „Brot backen im Lehmofen“, „Die Arbeit eines Imkers“ und „Wer checkt ein im Insektenhotel“. Bevor wir zu den Details kommen, erst einmal das wichtigste. Eine Anmeldung ist dringend erforderlich bei der Loki Schmidt Stiftung unter Telefon: 040/ 284 099 844 ab dem 30.5.23 täglich von 10 Uhr bis 15 Uhr bis zum 16.6.23 von 10 Uhr bis 12 Uhr. Oder online unter stadtnatur@loki-schmidt-stiftung.de, da geht es auch noch am 17.6.23

Brot backen im Lehmbackofen

Sa, 17.06.2023, 10:00 – 13:00 Uhr

Veranstaltungsnummer: AL176

Wir backen Brot und sammeln Wildkräuter für Kräuterbutter.

Heute backen wir selbst leckeres Brot im Lehmbackofen. Mehl, Hefe oder Sauerteig, Wasser und Salz, mehr braucht ein leckeres Brot nicht. Während das Brot im Ofen ist, sammeln wir (Wild-)kräuter für eine leckere Kräuterbutter. Anschließend wird probiert. Und wer es lieber süß mag kann den frischen Honig von unseren Bienen dazu probieren.

Treffpunkt: Naturerlebnispfad Alraune, Fabriciusstraße 225-231, 22177 Hamburg

Anfahrt: Bus 118 bis ‚Hallenbad Bramfeld‘

Veranstalter*in: Alraune gGmbH Ausbildungszentrum Garten- und Landschaftsbau Naturerlebnispfad

Leitung: Monika Kniep

Altersempfehlung: 5–12

Ausrüstung empfohlen: Festes Schuhwerk

Kosten für begleitende Erwachsene: keine (wir freuen uns über eine kleine Spende)

Kosten für Kinder: € 15

Anmeldung erforderlich!

  (Anmeldelink ab 30. Mai!)

Wer checkt ein im Insektenhotel?

Sa, 17.06.2023, 10:00 – 12:00 Uhr

Veranstaltungsnummer: AL155

Wir bauen ein Insektenhotel u. Samenkugeln für Wildbienen.

Häufig wird vom Bienensterben gesprochen. Gemeint sind die Wildbienen. Hier kannst Du selbst aktiv etwas dagegen tun. Baue ein kleines Insektenhotel. Wir zeigen Dir, worauf Du achten musst, damit es erfolgreich besiedelt wird. Anschließend stellst Du Samenkugeln für Wildbienen und andere Insekten her. Beides kannst Du anschließend mitnehmen und in Deinem Stadtteil zum Einsatz bringen.

Treffpunkt: Naturerlebnispfad Alraune, Fabriciusstraße 225-231, 22177 Hamburg

Anfahrt: Bus 118 bis ‚Hallenbad Bramfeld‘

Veranstalter*in: Alraune gGmbH Ausbildungszentrum Garten- und Landschaftsbau Naturerlebnispfad

Leitung: Monika Kniep

Altersempfehlung: 6–12

Ausrüstung empfohlen: Festes Schuhwerk

Kosten für begleitende Erwachsene: keine (wir freuen uns über eine kleine Spende)

Kosten für Kinder: € 15

Anmeldung erforderlich!

  (Anmeldelink ab 30. Mai!)

Die Arbeit eines Imkers

Sa, 17.06.2023, 10:00 – 12:00 Uhr

Veranstaltungsnummer: AL173

Zieh Dir den Imkeranzug an und schau in ein Bienenvolk.

Auf dem Gelände des Naturerlebnispfades gibt es eine kleine Imkerei. Kinder können selbst in einen Imkeranzug steigen und mit der Imkerin hier vor Ort in ein Bienenvolk schauen. Sie lernen die einzelnen Bienenwesen und ihre Funktion im Bienenstock kennen. Natürlich darf auch Honig genascht weden.

Mit der Stichschutzkleidung (Imkeranzug) ist die Wahrscheinlichkeit eines Bienenstiches sehr gering. Dennoch kann es nicht ganz ausgeschlossen werden. Mit der Anmeldung erklären Sie, dass bei Ihrem Kind keine Bienengiftallergie bekannt ist.

Diese Veranstaltung kann kostenlos angeboten werden durch Unterstützung der Ingeborg Gross Stiftung.

Herzlichen Dank für diese Unterstützung im Rahmen einer Patenschaft der Hamburger Stiftungstage.

Treffpunkt: Naturerlebnispfad Alraune, Fabriciusstraße 225-231, 22177 Hamburg

Anfahrt: Bus 118 bis ›Hallenbad Bramfeld‹

Altersempfehlung: 5–12

Ausrüstung empfohlen: Festes Schuhwerk

Kosten für begleitende Erwachsene: keine (wir freuen uns über eine kleine Spende)

Kosten für Kinder: € 15

Anmeldung erforderlich!

  (Anmeldelink ab 30. Mai!)

Eine Anmeldung für alle drei Veranstaltungen ist dringend erforderlich bei der Loki Schmidt Stiftung unter Telefon: 040/ 284 099 844 ab dem 30.5.23 täglich von 10 Uhr bis 15 Uhr bis zum 16.6.23 von 10 Uhr bis 12 Uhr. Oder online unter stadtnatur@loki-schmidt-stiftung.de, da geht es auch noch am Veranstaltungstag dem 17.6.23

Das kleine Volk

Zunächst einmal möchte ich mich vorstellen, ich bin „Weiser Weissbart“, einer der Ältesten der kleinen Völker. Es gibt viele Verschiede von uns, ich gehöre zu denen „Die in den Bäumen leben“.  Es gibt auch noch „Die in der Luft schweben“, „Die unter der Erde wohnen“, „Die auf Molchen und Fröschen reiten“, „Die Steinernen“ und viele andere mehr.

In den heutigen Tagen unterrichte ich meistens die Kinder, aber in der dunklen und kalten Jahreszeit wie jetzt bin ich auch, ohne falsche Bescheidenheit, einer der besten Geschichtenerzähler meines Volkes, wenn wir uns an magischen Feuern erwärmen und wir uns drinnen im Baum versammeln.

Um diese Jahreszeit zu überstehen müssen wir immer genügend Vorräte haben, die wir in der bunten Jahreszeit, wenn die Blätter fallen, gesammelt haben. Früher, als ich noch jünger war, gehörte ich zu den besten Nuss- und Eichelsammlern, aus dieser Zeit stammt meine heutige Geschichte.

Ich war unter der größten Eiche in unserem Reich auf der Suche nach ihren Früchten, als ich plötzlich ein lautes Krächzen hörte. „Meckert viel“ saß ein gutes Stück entfernt auf der Erde und hatte eine große Walnuss im Schnabel. „Meckert viel“ war ein Eichelhäher, dessen Federkleid genauso bunt war wie seine Stimme kratzig. „Das ist meine Nuss, bleib bloß weg“ krächzte er in meine Richtung. Ich ignorierte ihn, denn ich hatte schon genug Eicheln gefunden, mehr konnte ich gar nicht tragen. Auch wenn so eine Walnuss natürlich leckerer ist.

„Meckert viel“ flog auf eine Kiefer und versteckte die Nuss in einem Astloch. Dann segelte er in Richtung Bach davon. „Soso, das kommt mir ja sehr gelegen“ hörte ich eine Stimme in meinem Rücken. Vor Schreck ließ ich fast den Sack mit den Eicheln fallen. Hinter mir saß, gut versteckt durch die Wurzeln der Eiche, „Dreister Dieb“, ein Eichhörnchen. „Keine Angst, deine Eicheln will ich nicht, ich nehme lieber die Walnuss“. Mir fiel ein großer Stein vom Herzen, denn „Dreister Dieb“ war durchaus als Raufbold bekannt und um einiges größer als ich.

Normalerweise beobachten die Eichelhäher die Eichhörnchen und merken sich, wo sie ihre Vorräte vergraben, um sie dann zu stehlen. „Dreister Dieb“, der sich selber lieber „Schlauer Dieb“ nannte, hatte den Spieß herumgedreht, das sparte ihm viel Arbeit und Mühe. Er kletterte die Kiefer hinauf, steckte seine Pfoten in das Astloch und begann, die Nuss zu knacken und zu verspeisen. Ich schnappte mir noch ein, zwei Krümel die herunterfielen und machte mich dann schnell auf zu unserer Weide, um die gesammelten Eicheln in Sicherheit zu bringen. Nicht dass sich das Eichhörnchen die Sache noch anders überlegte und mir doch noch die Eicheln wegnahm.

So, das war’s für heute, das nächste Mal gibt es eine andere Geschichte.

Text: Michael Dodt, Zeichnungen: Manuela Tolksdorf